Land unter e. V.
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Der Wolf ist zurück

Der Wolf im Emsland
Eine Reportage aus der Neuen Osnabrücker Zeitung
Wolf im Emsland.pdf
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Seit einigen Jahren kehrt der Wolf nach Deutschland zurück. Derzeit breitet er sich immer stärker nach Westen aus und im Januar 2015 wurde eine erste Wolfsfähe im Emsland als dauerhaft ansässig nachgewiesen. Seitdem hat sich der Wolf im Emsland stabliert. Im Sommer 2020 gab es mindestens drei Rudel - eines auf der WTD 91 bei Haren, eines im Raum Herzlake/Löningen und eines bei Werlte. Auch in der benachbarten Grafschaft Bentheim gibt es seit 2020 ein Wolfsrudel. Alle vier haben Welpen - zum Teil schon zum dritten Mal. 

 

Als Naturschutz- und Landschaftspflegeverein begrüßen wir die Rückkehr dieses faszinierenden Tieres. Gleichwohl stellt es uns vor erhebliche Herausforderungen. Denn Wölfe fressen Schafe - wenn sie an sie heran kommen können. Auch im Emsland hat es inizwischen Dutzende Risse gegeben. 

Der Verein Land Unter hat sich früh darauf eingestellt und bereits 2017 am Versener Heidesee einen wolfsabweisenden Elektrozaun gebaut. 2018 folgte eine ähnliche Anlage auf den Mansenbergen in Berßen. Drei weitere Flächen sind noch nicht abweisend eingezäunt und schon jetzt haben wir mehr als 70000 Euro für die beiden ersten Zäune ausgegeben.

Sie wurden in unterschiedlicher Höhe gefördert - vom Landkreis Emsland, dem Land Niedersachsen, der EU.  Aber es blieb jeweils ein hoher Eigenanteil und vor allem sehr viel Arbeit auf dem Weg dorthin. 

 

Wichtig ist dabei: Auch diese Zäune sind nicht wolfssicher. Das gibt es nur im Zoo mit 2,50 Metern Höhe und Betonsperren im Untergrund. In der freien Landschaft lässt sich nur wolsabweisend bauen und damit ein Kompromiss. Wirtschaftlich ist das nämlich nicht - jedenfalls nicht, wenn man die Schafhaltung rein nach ihren ökonomischen Ergebnissen bewertet.

Sieht man aber die rund 90 Tier- und Pflanzenarten der Roten Liste, die auf unseren Gebieten vorkommen, geht es eben nicht nur um den wirtschaftlichen Ertrag der Bentheimer Landschafe. Sie sind um ihrer selbst willen erhaltenswert - als alte Nutztierrasse der Region und Kulturgut. Aber sie dienen dem Erhalt und der Entwicklung seltener Lebensräume und sind dabei unverzichtbar.

Hier steht also der Wolf als Einzelart gegen 90 andere. Denn sicher ist: Ohne Schutz lassen sich Schafe in freier Landschaft schon jetzt nicht mehr halten, es sei denn, sie werden gehütet und abends in einen Stall gebracht. Das aber ist wirtschaftlich erst recht nicht mehr darstellbar - zumal wir als Verein komplett ehrenamtlich arbeiten.

Was es bedeutet, einen Wolfsangriff in der Herde zu haben, mussten wir 2019 trotz des Zaunes leidvoll erfahren. 

14. November 2019

 

++++update+++++

 

Leider hat sich unsere Befürchtung bestätigt. Beim Verursacher des Übergriffs handelt es sich um einen Wolf. In der folgenden Pressemitteilung haben wir den aktuellen Sachstand und unsere Meinung dazu zusammengetragen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Meppen: Wolf reißt Schafe trotz aufwendiger Einzäunung

Tier hat mehrfach Schafe gerissen

 

Meppen Ein Wolf hat am Versener Heidesee bei Meppen zwei Schafe und eine Ziege gerissen. Der Fall ist heikel, denn der Naturschutzverein Land Unter e.V. hatte die 40 Hektar große Fläche nach wolfsabweisendem Standard gesichert.

Das teilte der Verein jetzt in einer Erklärung mit. Demnach hat sich der Fall bereits am 7. September ereignet, der seit mehr als 20 Jahren in der Landschaftspflege tätige Verein wollte aber vor einer Veröffentlichung sichergehen, dass es sich beim Verursacher tatsächlich um einen Wolf und nicht um einen wildernden Hund handelte.

Wie der Verein mitteilt, hat sich der Verdacht nun aber anhand von Genproben bestätigt, die Wolfsberater Gerd Hopmann am Tag des Übergriffs an zwei verletzten und einem getöteten Tier genommen hatte. Die Proben waren dann durch das Wolfsbüro des Landes Niedersachsen zur Untersuchung ins Senckenberg-Institut in Frankfurt gegeben worden, das alle derartigen Proben untersucht.

Weiteres Ergebnis: Der Wolf konnte identifiziert werden und hat schon zuvor zwei Mal Nutztiere gerissen. Laut Landesjägerschaft Niedersachsen hatte das männliche Tier zuvor unter anderem im Juni in Bösel nördlich von Werlte ebenfalls mehrere Schafe getötet. Diese waren dem Vernehmen nach nicht durch einen ausreichenden Zaun geschützt.

Der Mitteilung des Vereins Land Unter zufolge hatte der Wolf in der Nacht auf den 7. September die erst 2017 am Versener Heidesee errichtete Zaunanlage überwunden – und das obwohl sie den geforderten wolfsabweisenden Standard des Landes Niedersachsen bei weitem übertreffe.

So besteht der 1,40 Meter hohe Zaun aus sechs parallel angeordneten Litzen, die durch das stärkste derzeit am Markt erhältliche Weidezaungerät gespeist wird. Eine Fernüberwachung per SMS-Modul stellt sicher, dass ein Stromausfall oder ein Zaundefekt bemerkt worden wären. Beides falle also als mögliche Ursache aus. Alle Tore sind elektrisch gesichert, streckenweise existiert ein zusätzlicher zweiter, 1,80 Meter hoher Festzaun zur Autobahn A31 und zur B402, den der Wolf erst überklettern müsste, wenn er denn von dort gekommen wäre.

Da der Wolf den elektrifizierten Zaun nicht untergraben habe, stehe man weitgehend vor einem Rätsel, teilt der Vereinsvorstand mit. Eventuell sei der Wolf gesprungen, auch wenn offizielle Stellen dies für unwahrscheinlich hielten. Zwei Mitarbeiterinnen des Wolfsbüros des Landes Niedersachsen hätten den Zaun wenige Tage nach dem Übergriff auf Schwachstellen untersucht und keine gefunden.

Der direkte finanzielle Schaden solle nun zwar vom Land ersetzt werden, teilte der Naturschutzverein mit. Dies sei aber für keinen der ehrenamtlich tätigen Akteure entscheidend. Was bleibe, sei die Tatsache, gegen einen Teil der stetig wachsenden Wolfspopulation offenbar wenig wehrhaft zu sein. Das sei in etwa so, als ob eine Einbrecherbande in einem Wohnviertel ihr Unwesen treibe und keine noch so gute Sicherungsmaßnahme sie vom Eindringen ins eigene Wohnhaus abhalten könne. Man wisse nur nicht, wann es geschehe.

Zudem habe der Wolf erhebliches Tierleid verursacht, das auch für die Tierhalter schwer auszuhalten sei. Ein Schaf und die Ziege hätten aufgrund qualvoller aber nicht sofort tödlicher Verletzungen trotz intensiver tiermedizinischer Betreuung eingeschläfert werden müssen.

Der Verein Land Unter sieht in seinem Fall das Höchstmaß an Sicherung erreicht. Der Einsatz von Herdenschutzhunden sei aus verschiedenen Gründen nicht möglich. Der Heidesee sei prinzipiell öffentlich zugänglich und werde regelmäßig von Botanikern und Zoologen besucht – potenziell gefährliche Schutzhunde schieden hier deshalb aus.

Im See und an seinem Ufer habe sich einer der wertvollsten Lebensräume des Emslandes gebildet und werde durch die Beweidung mit Bentheimer Landschafen erhalten. Mehr als 90 Tier- und Pflanzenarten der Roten Liste leben hier, viele von ihnen sind auf Beweidung angewiesen.

Ob diese dauerhaft gewährleistet werden kann, bleibt dem Vereinsvorstand zufolge abzuwarten. Der Wolf habe das Potenzial, das Projekt so wie viele andere im Land, zumindest zu gefährden. Der Zaunneubau sei dennoch richtig gewesen – zum einen, weil der alte Zaun ohnehin abgängig gewesen sei und habe ersetzt werden müssen. Außerdem bleibe offen, wie viele Wölfe er möglicherweise bereits abgehalten habe.

 

 

7. September/9. Oktober 2019

 

Es gibt sehr schlechte Nachrichten vom Heidesee. Ein bisher unbekanntes Tier hat ein Schaf getötet und zwei weitere so schwer verletzt, dass sie später eingeschläfert werden mussten. Nach der Untersuchung des Falls durch einen ehrenamtlich tätigen Wolfsberater laufen die Untersuchungen von einigen Genproben noch, die er am toten und den verletzten Tieren genommen hat. Vieles, aber nicht alles, deutet auf einen Wolf als Verursacher hin. In den vergangenen Wochen mehren sich Übergriffe in der Region Emsland. Das Problem: Unsere Fläche am Heidesee ist nahezu optimal geschützt - jedenfalls auf der Grundlage dessen, was man als überhaupt möglich anzusehen vermag. Der Zaun ist höher als vorgegeben, das Stromaggregat das derzeit stärkste auf dem Markt befindliche, Schwachstellen wurden stetig gesucht und kaum gefunden, dann aber ausgebessert. In der fraglichen Nacht gab es nachweislich keine Probleme mit der Stromversorgung oder Ähnliches. Sollte sich bei der Untersuchung der Genproben nicht herausstellen, dass der Verrusacher z.B. ein Hund war, sondern tatsächlich ein Wolf, haben wir ein Problem.

 

Wir erwarten in den kommenden Tagen das endgültige Ergebnis der Untersuchnung. Nach dem Übergriff hat sich das Wolfsbüro des Landes Niedersachsen unseren Zaun mehrfach angesehen bzw. ansehen lassen und auf Schwachstellen überprüft - etwa Einsprunghilfen durch benachbarte Bäume oder Stellen, an denen ein Eindringling durch, unter oder über den Zaun gelangen könnte. Ohne konkretes Ergebnis.

 

Aus unserer Sicht muss der Verursacher durch oder über den Zaun gesprungen sein. In den ersten zwei Wochen nach dem Übergriff haben wir die Tiere nachts in einen Pferch gebracht. Außerdem haben wir Wildkameras aufgehängt. Ergebnis: Marderhunde und Füchse befinden sich in der Fläche. Füchse haben mehrfach versucht, aus der Umzäunung nach draußen zu gelangen und deshalb versucht, sich an scheinbar geeigneten Stellen unter dem untersten Stromdraht durchzubuddeln. Gelungen ist das nicht. Deshalb halten wir es für unwahrscheinlich, dass sich ein Wolf oder ein großer Hund von außen unter dem untersten Draht durchzwängen kann, ohne zu buddeln. Und das ist nachweislich nicht geschehen. Deshalb bleibt nur das Springen, auch wenn das vom Wolfsbüro des Landes Niedersachsen für unwahrscheinlich gehalten wird.      

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© Land unter e. V. Fotos und Layout: Tobias Böckermann