Schäferblog 2010
2. Januar
Der Winter hat mit aller Macht zugeschlagen. Wir müssen die Schafe inzwischen füttern da die Heide mit Schnee bedeckt ist.
5. Januar
Der Osnabrücker Biologe Axel Degen hat mitgeteilt, dass der Schwan "Helsinki EJ0782" sich wie im Vorjahr nahe Versen niedergelassen hat. 2008 hatte er mit seinem Partner neun Jungtiere aus Finnland
ins Emsland geführt- in diesem Jahr sind beide ohne Nachwuchs da. Der Schwan "Helsinki EJ0782" wurde vor 14 Jahren in der finnischen Provinz Häme, 1350 Kilometer vom Emsland entfernt, geschlüpft und
später von Forschern beringt worden. Auf demFoto ist der Schwan rechts zu sehen.
2. Februar
Der Winter will nicht enden. Die Morgenstimmung am See ist dafür allerdings recht beschaulich. Schwäne und Enten haben ein Eisloch freigehalten.
28. Februar
Unsere Generalversammlung 2010 werden wir im Sommer auf dem Meppener Kossehof veranstalten.
13. März
Auf unserer Fläche am Wiesengrund in Berßen hat der Landkreis Emsland etwa einen Hektar abgeplaggt. Diese mühevolle Handarbeit dient dazu, die alles beherrschende Traubenkirsche zurückzudrängen. Das
erste Foto zeigt die Fläche im Spätsommer 2006. Trotz mehrfacher mechanischer Bekämpfung der aus den USA eingeführten Baumart und Beweidung konnte sich kaum Heide durchsetzen. Das großflächige
Abplaggen hat die über Jahrzehnte ohne Beweidung entstandene Humusschicht bis auf den Mineralboden abgetragen. Jetzt soll hier wenn alles klappt Heide keimen.
30. März
Nach harten Winterwochen sind nun endlich die ersten Lämmer geboren worden.
30. März
Das Umweltministerium des Landes Niedersachsen gewährt Fördermittel für das Abplaggen unserer Heideflächen. Auf Mansenberge in Berßen können 6400 Euro eingesetzt werden, am Versener Heidesee 8000
Euro. Das Plaggen dient der Verjüngung überalterter Heidebestände und gehörte über Jahrtausende zur traditionellen Wirtschaftsweise in den Heiden.
2. April
Hier ein interessanter Artikel aus der Neuen Osnabrücker Zeitung über Heideweiher, in dem der Versener Heidesee vorkommt.
hier klicken
12. April
Am Heidesee haben zwei Kanadagänse. Rast gemacht. Mit ihnen saßen zwei Graugänse auf dem kleinen Teich. Wohl auch nur Durchzügler. Die Kanadagans stammt aus Nordamerika.
5. Mai
Das gefährlich anmutende Tier auf dem Foto unten ist ein drei Zentimeter kleiner männlicher Stierkäfer. Er lebt in unseren Projektflächen vom Schafkot und wird jetzt wieder munter. Als Bewohner
sandiger Heiden und lichter Wälder ist er nur noch lokal verbreitet und wird insgesamt seltener.
25. Mai
Die Niedrige Schwarzwurzel (Fotos) ist eine sehr seltene Pflanze der Heiden. Sie kam früher auch in dem von uns betreuten NSG Hügelgräberheide in Berßen vor, ist dort aber bisher nicht wieder
aufgetreten. Sie ist hier letztmals in den 1960er Jahren gefunden worden.
Die Fotos stammen von einem anderen Naturschutzgebiet auf dem Hümmling, in dem die Blume nach Renaturierungsmaßnahmen vor 5 Jahren wieder gekeimt war. Inzwischen wurde die nachfolgende Beweidung mit
Moorschnucken leider wieder aufgegeben.
11. Juni
Am Heidesee fliegt der Grüne Zipfelfalter, der einzige in Deutschland verbreitete Falter, der unterseits grün ist. Er ist nicht selten und lebt in trockenen Biotopen. Dieses Exemplar hat etwas von
seiner grünen Farbe verloren.
18. Juni
Seit einigen Tagen streifen zwei Kolkraben im Gebiet um den Versener Heidesee. Kolkraben sind im Emsland immer noch recht selten, stehen allerdings bundes- und landesweit nicht mehr auf der Roten
Liste, die sie jahrzehntelang als akut vom Aussterben bedroht notierte. Konsequenter Schutz und die Einsicht Vieler, dass diese Vögel zwar hochintelligent aber keine Schädlinge sind, haben die
Bestände wieder steigen lassen.
Das erste unscharfe Foto stammt vom See - die Tiere sind leider sehr scheu. Das zweite ist aus dem Tierpark Nordhorn.
03. Juli
Am Heidesee brütet erstmals ein Paar des Weißsternigen Blaukehlchens. Es brütet an deckungsreichen Ufer- oder Sumpfbereichen an Fließ- und Stillgewässern mit Bereichen freier Bodenoberfläche. Die Art
kommt bevorzugt an den Unterläufen der großen Flüsse und an größeren Stillgewässern im Norden Niedersachsens vor. Durch die Zerstörung kleiner Feuchtgebiete war der Bestand der Art stark rückläufig.
In den letzten Jahren hat das Blaukehlchen vor allem die seedeichnahe Grünland- und Ackermarsch im Nordwesten Niedersachsens besiedelt, wo heute der Großteil der Gesamtpopulation brütet. Der Bestand
hat auf mehr als 3.000 Brutpaare zugenommen. Weltweit ist die Art nicht gefährdet, sie galt aber in Deutschland lange Zeit als Inbegriff der vom Aussterben bedrohten Tierarten.
20. August
Der Tierpark Nordhorn hat 8 Zuchttiere bei uns gekauft, vier Lämmer und vier Zutreter, also Schafe, die noch nicht gelammt haben, aber schon ein Jahr alt sind. Der Verkauf lief reibungslos bis auf
die Tatsache, dass ein Schaf offensichtlich nicht aus dem Emsland in die Grafschaft wechseln wollte. Vor lauter Aufregung ist es in den See gesprungen und hat im Wasser rund 200 Meter zurückgelegt um
dann am anderen Ufer wieder auszusteigen. Es darf jetzt bei uns bleiben - vorerst jedenfalls.
1. September
Die Heide blüht in diesem Jahr üppiger als in den Vorjahren. Der Regen im Sommer hat ihr offensichtlich gut getan.
13. September
Wir haben unsere Generalversammlung abgehalten. Etwa 25 Personen nahmen daran teil und freuten sich am Ende über ein kleines, aber sehr gelungenes Grillfest auf dem Archehof des Kossehofes in
Meppen.
16. September
Eine neue Internetseite ist online gegangen. Sie beschreibt die Hudelandschaften des Emslandes. Siehe unter www.borkener-paradies.de
22. September
Ein interessanter Text des aid zur Erhaltung der genetischen Vielfalt sei hier wiedergegeben.
Tiere aus dem Eis
Kryokonservierung als letzte Rettung?
(aid) - Jeden Monat stirbt weltweit eine Haustierrasse aus - das ist auch Folge eines jahrelangen Trends zur Zucht von Hochleistungsrassen. In den USA beruht beispielsweise die Milchwirtschaft zu 90
Prozent auf Holsteinkühen. Auf einer Farm der privaten SVF Foundation in den USA sollen nun von 40 gefährdeten Nutztierrassen je 300 Embryonen und 3 000 Samenproben gewonnen und eingefroren werden,
um dem Verlust der Vielfalt an Nutztierrassen entgegenzuwirken. Bei dem Verfahren der "Kryokonservierung" werden fünf bis sieben Tage alte Embryonen zunächst in flüssigem Stickstoff bei minus 197
Grad Celsius tief gefroren. Diese Rassen haben laut SVF Eigenschaften, die sich zu erhalten lohnen. Beispiele dafür seien u. a. die Tunis-Ziege, die extreme Hitze ertragen kann, oder die Gulf-
Coast-Schafe, die resistent gegen Parasiten und Fußfäule sind.
"Man weiß nie, wofür man sie noch brauchen kann, deshalb macht es Sinn, interessante Genvarianten zu konservieren", so Eckard Wolf vom Lehrstuhl für Molekulare Tierzucht und Biotechnologie in
München. Das könnte auch für die Holstein Kühe irgendwann mal nötig sein. Darüber, dass die Erhaltung der Arten und damit der genetischen Ressourcen notwendig ist, sind sich die Experten einig.
Jedoch über die richtige Methode herrschen unterschiedliche Vorstellungen. Einen ganz anderen Weg geht das deutsche Vorzeigeprojekt der "Arche Warder" im Holsteinischen Naturpark Westensee. Hier
leben ca. 800 Tiere siebzig verschiedener Rassen. Kai Fröhlich, Direktor der Arche Warder argumentiert, dass die Kyrokonservierung alleine nicht ausreiche und nur eine Ergänzung zur Lebenderhaltung
darstellen könne. "Um eine genetische Variabilität zu garantieren, können die Rassen nur in Netzwerken gehalten werden", so Fröhlich in einem Bericht der Wochenzeitung" Die Zeit".
Antje Feldmann, Geschäftsführerin der Gesellschaft zur Erhaltung gefährdeter Haustierrassen (GEH) ergänzt: "Für die langfristige Zucht braucht man Tiere, die sich an die wechselnden Umweltbedingungen
anpassen können." Es sei unverzichtbar, lebende Herden zu halten, damit die Zucht als dynamischer Prozess funktionieren kann. Bevor jedoch eine Rasse ganz verschwindet, ist die Tiefkühlvariante wohl
als letzte Rettung anzusehen. Friederike Eversheim, www.aid.de
24. September
Etwa 500 Meter Luftlinie vom Versener Heidesee entfernt wächst im Wesuweer Moor der Hirschsprung (Corrigiola litoralis ) Diese interessante Pflanze ist inzwischen sehr selten geworden - sie lebt auf
wechselnassem Sandboden. Im Wesuweer Moor besiedelt sie einen Sandweg.
24. Oktober
Die Zeit der Zugvögel hat begonnen. Am Versener Heidesee hat ein Trupp Kanadagänse gerastet.
28. Oktober
Zwei Höckerschwäne rasten jetzt auf dem See. Sie scheinen ein Paar zu bilden, jedenfalls turteln sie manchmal miteinander.
1. Dezember
Jetzt sind auch Sing- und Zwergschwäne wieder am See. Etwa 70 Tiere nächtigen dort.
5. Dezember
Der Verein Land Unter hat gemeinsam mit dem Meppener Landbüro einen Geburtstagskalender im Format DIN-A-3 hergestellt. Dank der Unterstützung und weitgehenden Finanzierung durch das Landbüro war es
möglich, 500 Exemplare des Kalenders zu drucken. Die Mitglieder des Vereins Land Unter bekommen einen Kalender pro Haushalt kostenlos zugeschickt. Wer weitere Exemplare wünscht, kann sie beim
Vorstand für 10 Euro kaufen.
Der Kalender unter dem Titel "LandKultur" enthält 13 Aufnahmen, darunter 9 von Bentheimer Landschafen, einmal Schwäne am Heidesee, einmal Bentheimer Schweine und einmal Hochlandrinder im Haselünner
Wacholderhain. Er soll zeigen, welche Kulturgüter in unserer Region durch Landwirtschaft entstanden sind.
24. Dezember
Der Winter hat wieder zugeschlagen. Genau wie im vergangenen Jahr behindern wahre Schneemassen (ungewöhnlich für die Verhältnisse im Nordwesten) die Tiere beim Fressen, weil die Heide zum Teil
eingeschneit ist. Aber sie werden gut versorgt.