Land unter e. V.
Land unter e. V.

Aktuelles 2024

23. Dezember 2024

 

Vor einigen Monaten hat der Naturschutzbund Landesverband Niedersachsen eine Klage beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig eingereicht. Gegenstand des Verfahrens: Der Versener Heidesee. Was hat es damit auf sich?

Zunächst eine Klarstellung: Der NABU hat die Klage ohne Wissen des Vereins Land Unter e.V. angestrengt. Der Verein Land Unter ist nicht Mitglied im NABU, sondern ein eigenständiger Naturschutz- und Landschaftspflegeverein.

Der Sachverhalt ist komplex, die eingereichte Klage umfasst 93 Seiten. Es geht im Kern darum, dass die Bundesstraße 402/Europastraße E 233 von zwei auf vier Spuren erweitert werden soll. Sie grenzt unmittelbar südlich an das NSG Versener Heidesee an. Zwischen dem eigentlichen See und der vorhandenen Fahrbahn liegt eine Distanz von 50 bis 60 Metern.

Weil im Heidesee extrem seltene Pflanzen und Tiere vorkommen und der See insgesamt dem Lebensraum eines sehr nährstoffarmen Stillgewässer entspricht, sieht der NABU darin ein „faktisches FFH-Gewässer“. Genauer gesagt ein Gewässer, das dem FFH-Lebensraumtyp (LRT) 3110 entspricht.

Die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU ist das schärfste Schwert behördlichen Naturschutzes. Sie gilt in allen EU-Staaten und kategorisiert bedrohte Tier- und Pflanzenarten, sowie Lebensräume. Der Wolf etwa ist eine FFH-Art und somit besonders geschützt. Ebenso das Froschkraut (Luronium natans) und eben die nährstoffarmen Stillgewässer.

Gebiete, die der FFH-Richtlinie entsprechen, stünden automatisch, also faktisch, unter Schutz, argumentiert der NABU. Das sei auch beim Versener Heidesee so gegeben, sei aber bei den Planungen zum Ausbau der E233 nicht berücksichtigt worden. Denn der motorisierte Verkehr emittiert durch die Verbrennung von Treibstoff Stickstoff (verkürzte Darstellung). Und der wird in benachbarte Gebiete eingetragen, was wiederum die dort lebenden extrem seltenen Pflanzengemeinschaften nicht vertragen.

Und da nicht nur der Lebensraum einem FFH-Typ entspricht, sondern mit dem Froschkraut auch eine Art des FFH-Anhangs hier vorkommt, darf dessen Lebensraum nicht verschlechtert werden. Deshalb hat der NABU den Antrag gestellt, die Planungen zu stoppen und den Heidesee als FFH-Gebiet nach Brüssel zu melden.

Die Folge: Der Heidesee ist in den Blickpunkt der Politik geraten, die mehrheitlich gegen einen noch strengeren Schutz ist und den Ausbau der Straße nicht gefährdet sehen möchte.

Der Verein Land Unter e.V. wird sich dazu öffentlich und inhaltlich nicht äußern, da es sich um eine Klage des NABU handelt.

Erwähnenswert ist die Tatsache, dass der Heidesee seine Existenz dem Bau der westlich angrenzenden A 31 verdankt, weil man für diese Straße Bausand in riesigen Mengen benötigte. Der See entstand und war von Anbeginn an Teil der Ausgleichsmaßnahmen für den Eingriff in die Natur durch die A 31.

Außerdem: Der LRT 3110 kommt hauptsächlich in Niedersachsen vor, weshalb das Bundesland eine besondere Verantwortung für die Erhaltung des LRT trägt. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat 2023 seine Strategie zur Rettung dieser Lebensräume überarbeitet.

Dabei spielt der Heidesee nun eine entscheidende Rolle. Denn im restlichen Niedersachsen gehen die Heideweiher trotz Schutzmaßnahmen verloren – vornehmlich durch äußere Einflüsse wie zu hohen Stickstoffeintrag. Das Land sieht deshalb seine Verpflichtung, den LRT 3110 zu erhalten, gefährdet und nennt den Versener Heidesee als eine Art Hoffnungsträger. Das Land selbst empfiehlt eine Ausweisung als FFH-Gebiet.

Ob und wann dies so kommt, steht derzeit in den Sternen. Der NABU hat im Sommer angekündigt, die Klage ruhen zu lassen, damit das Land Niedersachsen eine Prüfung vornehmen kann. Seitdem sind weitere Kartierungen am See und im Umfeld erfolgt.

30. November 2024 

Gemeinsamer Arbeitseinsatz der Vereinsmitglieder

27. November 2024

 

Pflege und Erhalt der von uns betreuten Flächen sind seit der Rückkehr des Wolfes noch aufwendiger als zuvor. Wir haben nun einen Arbeitseinsatz organisiert, an dem dankenswerterweise viele Mitglieder und Unterstützer teilgenommen haben.

Mit mehreren Freischneidern haben sie sich daran gemacht, den 3,6 Kilometer langen Elektrozaun freizuschneiden. Der Sinn dahinter: Je mehr Bewuchs, desto weniger Spannung ist auf dem Zaun und desto weniger abschreckend ist der von ihm ausgehende Stromschlag für Wölfe.

Der Spannungswert sollte nicht unter 4000 Volt sinken und das ist auf Dauer nur mit freigeschnittenen Zäunen zu erreichen. Allerdings ist das für unseren kleinen Vorstand bei insgesamt rund 10 Kilometern dieser Zäune nicht mehr allein zu leisten.

Das Problem haben viele Schäfer. Deshalb kann in Nordrhein-Westfalen auf Antrag sogar unter solchen Zäunen Pflanzengift eingesetzt werden.

Neben der Zaunpflege stand auch das Pflanzen weiterer Obstbäume und die Düngung der bereits vorhandenen mit Humus auf dem Programm.

Herzlichen Dank an alle Beteiligten.

27. Oktober 2024

 

Es ist kaum zum glauben, aber wenn es mal nicht der Wolf ist, dann kommt ein Hund: Auf unserer Fläche im Bokeloher Beel hat gestern ein Hund, vermutlich ein Husky, eines unserer für die Zucht vorgesehenen Lämmer verletzt. Wem der Hund gehört, wissen wir nicht. Er wurde aber bei der Hatz auf die Schafe beobachtet. Unklar ist auch, wie er in die Weide gelangte, denn die ist mit einem Stromzaun gesichert. Allerdings ist schon länger klar, dass diese Zäune nicht nur gegen den Wolf kein Allheilmittel sind. 

In Bokeloh haben wir das Problem, dass bisher in jedem der sechs vergangenen Jahre ein Hund oder mehrere Hunde Schafe verletzt haben. Es scheint dort einen Hundehalter zu geben, dem so ziemlich alles egal ist. Die Tiere leiden und es entstehen Tierarztkosten. Wir appellieren an alle Hundehalter, ihre Tiere anzuleinen, wenn Schafe in der Nähe sind. Erst recht, wenn sie wissen müssen, dass sie ihre Hunde offensichtlich nicht im Griff haben.

Wir werden in diesem Fall nicht die Polizei einschalten, weil wir den Hund nicht selbst gesehen haben. Bei nächster Gelegenheit wird das aber geschehen.  

29. September 2024

 

Die erste Welle der Blauzungenkrankheit ist durch - sie war extrem fordernd und hat auch bei uns zu Verlusten, viel Tierleid und Dutzenden Mehrstunden geführt. Im Moment geht es der Herde einigermaßen, aber in den Niederlanden beobachtet man eine zweite Infektionswelle. Sie fällt aber bisher nicht so dramatisch aus wie die erste - zumal die Tiere inizwischen geimpft sind oder von Krankheit genesen. 

Niemand weiß aktuell, wie schwer die zweite Welle am Ende ausfällt. Ein sehr warmer Oktober könnte dazu führen, dass sich extrem viele Tiere erneut anstecken. Damit rechnen zumindest Fachleute der Bundesregierung. 

Auch weiß niemand, ob die Mutterschafe wieder tragend werden und wie viele Lämmer es im kommenden Jahr für die Beweidung geben wird. Und das nach einem wegen der feuchtwarmen Witterung extrem wüchsigen Jahr. Viele Flächen sind aktuell bereits unterbeweidet. 

 

Neuigkeiten gibt es auch beim Umgang mit dem Wolf. Möglicherweise wird der Schutzstatus in den kommenden Monaten abgesenkt.

Juli/August 2024

 

Zweimal hatten wir auch Besuch am See. Ende Juli waren 50 Botaniker aus Deutschland und den Niederlanden da. Im Rahmen einer Tagung in Oldenburg haben sie sich wertvolle Schutzgebiete angesehen und waren dabei auch bei uns am See.

Dabei ist eine wissenschaftliche Publikation entstanden, die hier abrufbar ist.

 

Außerdem waren die drei emsländischen Landtagsabgeordneten der CDU am See. Im Gespräch mit unserem Vorstand sowie der Schäferin Anna Cordes und ihrem Vater Alfons ging es um die Wolfsproblematik. Wir haben berichtet, welchen Aufwand man beim Wolfsschutz betreiben muss und wo mögliche Grenze sind.

August 2024

 

Leider hat die Blauzungenkrankheit auch bei uns mit voller Wucht zugeschlagen. Wir haben unsere Tiere zwar geimpft, möglicherweise aber etwas zu spät. Die Krankheitswelle kam unerwartet früh. Gleichzeitig gab es zunächst Probleme mit dem Impfstoff. Ein erster wurde vor einigen Wochen wieder vom Markt genommen, danach war die Unsicherheit allenthalben groß.

Sicher ist: Unsere Herde macht die Erkrankungswelle voll mit. Es ist nicht genau zu sagen, ob inzwischen alle Tiere mit dem Erreger in Kontakt gekommen sind. Wir gehen aber davon aus, weil extrem viele Tiere Symptome zeigen oder zeigten. 

Die Symptome sehen sehr unterschiedlich aus: Erkrankte Schafe sind oft plötzlich ermattet und lassen die Ohren hängen. Sie haben Fieber und starke Schmerzen. Einige lahmen, andere stellen das Fressen ein, wieder andere können nicht mehr gut schlucken, weshalb sie stark speicheln. Es gilt, die Tiere gut zu beobachten und schnell symptomatisch zu behandeln. Gegen den Erreger, ein Virus, das von Gnitzen übertragen wird, kann man nichts ausrichten (außer möglichst vier Wochen vor Auftreten des Erregers zu impfen). 

Ansonsten geben wir beim ersten Bt-Verdacht ein Schmerzmittel und nach Möglichkeit ein Antibiotikum. Letzteres soll Sekundärinfektionen verhindern - etwa eine Lungenentzündung. Leider gelingt das nicht immer. Wir haben bisher 6 Tiere verloren, darunter unseren Zuchtbock. Ein Muster lässt sich nicht erkennen. 

Zahlreiche weitere Schafe haben wir quasi auf die Intensivstation gebracht und tagelang besonders betreut. Wenn es sein muss, mit eingeflößtem Futter. Wichtig scheint zu sein, dass die Nahrungsaufnahme nicht stoppt, weil ansonsten der Pansen in sich zusammenfällt (laienhaft ausgedrückt). Diese Schafe sind dann nicht zu retten. Einige kranke Schafe mögen gerne geschnittene Äpfel und frisches Laub. Außerdem Kraftfutter und weiches Heu. Nicht so gut geeignet scheint Hafer: Er schäumt im Magen und die Tiere bekommen dann wegen der geschwollenen Schleimhäute im Maul große Probleme. 

Die Krankheit hat nicht nur wirtschaftliche Folgen, weil Tiere sterben und die Kosten für Medikamente und Impfung hoch sind. Es gelingt in diesem Jahr auch nicht, die Flächen adäquat zu beweiden. Denn die Herde steht jetzt seit langer Zeit nahe beim Stall, damit die Tiere täglich kontrolliert werden können. Weit entfernte Teilstücke wurden 2024 kaum beweidet.

Und das in einer extrem niederschlagsreichen Zeit, in der 2023 und 2024 ungewöhnlich viel Grünmasse wachsen kann. Hoffen wir also auf ein besseres Jahr 2025. 

30. Juli 2024

 

Es gibt viele schlechte Nachrichten in diesen Tagen, aber hier mal eine gute: Wir haben endlich das Vorkommen der Wasserspinne (Silberspinne, Argyroneta aquatica) sicher feststellen können. Der Verdacht bestand schon lange, denn am Ufer finden sich nach starkem Wind im Frühjahr viele weiße Kokons mit Eiern oder kleinen Spinnen. Sie gehören zur Wasserspinne, die den Kokon unter Wasser gewoben hat. Er wird dann an Wasserpflanzen befestigt und löst sich wohl bei zu starkem Wellenschlag.

Bisher war keine ausgewachsene Spinne zu entdecken. Nun aber ist das an unter Wasser stehenden Metallkästen, die wir für ein Pflanzenschutzprojekt in den See gebracht haben, gelungen. Daran lebten einige Wasserspinnen, die durch das Öffnen des Kastens zutage traten.

Die Art ist im Bestand gefährdet, steht also auf der Roten Liste.

24. Juni 2024

 

Als ob es in diesem Jahr durch den Wolf und die Blauzungenkrankheit nicht schon Sorgen genug gäbe, müssen wir noch einen Rückschlag hinnehmen. Unbekannte sind in unsere Werkstatt eingedrungen und haben Geräte im Wert von mehr als 6000 Euro gestohlen. Darunter unseren Mulcher, einen Freischneider, eine E-Kettensäge, einen Werkzeugkasten, ein hochwertiges Solar-Weidezaungerät, eine Schermaschine und einen Komprressor. 

 

Der Diebstahl ist angezeigt, aber wir haben wenig Hoffnung auf ein Wiedererlangen der Geräte. 

 

 

30. Mai 2024

 

Leider schon wieder ein Wolfsriss. Diesesmal nicht bei uns, aber nur 1,5 Kilometer entfernt bei Schäferein Anna Cordes im dem Heidesee benachbarten NSG "Wesuweer Moor". Zwei Schafe durch Kehlbiss erdrosselt, Wolf eindeutig nachgewiesen. Ob es sich um denselben Wolf handelt, der im März bei uns am See war, bleibt abzuwarten. Die Fläche im Moor war genauso eingezäunt wie unsere, also elektrisch und theoretisch wolfsabweisend.

 

+++Update 25.5.24: ++++: Angeblich war das kein Wolf laut Land Niedersachsen. Das hatte man zwar bei der Vor-Ort-Kontrolle anhand des Rissbildes mitgeteilt, nun aber offenbar revidiert.

20. April 2024

 

Inzwischen ist der Wolf individualisiert worden, der zuletzt bei uns ein Schaf getötet hat. Leider ist er nicht gerade der Wolf, den man sich wünscht: Gleichzeitig ist er ein Beispiel, wie wichtig ein Informationsaustausch über die Grenze ist. Der bei uns tätige Wolf stammt aus den Niederlanden und heißt GW3152m.

Er hat in Deutschland in diesem Jahr 2 Schafe getötet, eines in Thülsfeld im Landkreis Cloppenburg und eines bei uns. Es handelte sich jeweils um Weiden, die anerkannt wolfsabweisend eingezäunt waren. 
In Deutschland ist dieser Wolf mit zwei Rissen in etwas größerer Entfernung "unauffällig". 
 
In den Niederlanden hat er laut Datenbank www.bij12.nl zwischen Januar und Dezember 2023 aber mindestens 173 Schafe bei 44 Übergriffen getötet. Verursachter, und von den Niederlanden bezahllter Schaden: 57.637 Euro - nur durch diesen Wolf. Er stammt aus einem Rudel westlich von Emmen, etwa 60 Kilometer von unseren Schafen entfernt. 
 
Sollte es stimmen, dass er sich im benachbarten Naturschutzgebiet "Wesuweer Moor" niedergelassen und eine Partnerin gefunden hat, wird es nicht nur für uns schwierig, sondern auch für andere Schäfereien in dieser Gegend. 
Und es zeigt sich auch: Statistiken, die für deutsche Wölfe angeben, sie ernärhten sich zu nur einem Prozent von ihrer Gesamtnahrung von Nutztieren, führen zu nichts und belegen nicht die Harmlosigkeit des Wolfes. Denn dieser Wolf hat sich ganz offensichtlich auf Schafe spezialisiert und ernährt sich ganz sicher zu deutlich mehr als einem Prozent von Nutztieren. Wer als Schäfer einen solchen Wolf als Nachbarn hat, dem nützen Statistiken nichts.
 
Das eigentliche Aufenthaltsgebiet des Wolfes liegt im Natrionalpark Drents-Friese Wold westlich von Emmen. Von unseren Schafen sind es 60 Kilometer, bis zum Riss in Cloppenburg sogar 100.
In den Niederlanden haben Wölfe seit 2015 4000 Nutztiere getötet und 1000 verletzt. 244 gelten als vermisst. Insgesamt wurden 964.000 Euro an Entschädigung bezahlt - davon jene 57.637 Euro für den Wolf, der bei uns war.    

27. März 2024

 

Jetzt haben wir die offizielle Bestätigung des Landes Niedersachsen erhalten, dass es sich um einen Wolfsriss bei uns gehandelt hat. Damit haben wir bei zwei Vorfällen in den vergangenen Jahren trotz eines Zaunes, der die Vorgaben des Landes für einen wolfsabweisenden Zaun übererfüllt, insgesamt vier Tiere verloren. 

Dass es keine wolfssicheren Zäune gibt, war uns inzwischen klar und wohl auch den meisten übrigen Beteiligten in Sachen Wolf/Weidetierschutz. Allerdings stellt sich hier ganz sicher die Frage, wie man mit Wölfen umgehen soll, die derartige Zäune überwinden. Das machen bei weitem nicht alle Wölfe, aber je mehr es werden, desto häufiger wird das vorkommen. Unsere Schutzmaßnahmen sind damit erschöpft: Bei uns wird es aus verschiedenen Gründen keine Herdenschutzhunde geben. Diese wären das letzte Mittel in der Aufrüstung gegen den Wolf. 

 

Eine Anmerkung zum Land Niedersachsen: Nach dem ersten Wolfsangriff im September 2019 sah der Zaun in allen wesentlichen Punkten aus wie heute. Er war auch aus unserer Sicht genauso funktionstüchtig. Dennoch hat das Land Niedersachsen damals den Zaun zwar als wolfsabweisend anerkannt, seinen Zustand aber als "beeinträchtigt" vermerkt. So steht er bis heute in der Statistik.

Begründung: Zwei innenliegende Tore waren mit Drähten ausgestattet, die nach Ansicht der Wolfsfachleute "leicht hochzudrücken" gewesen sein sollen. Aus unserer Sicht quatsch, da sie sich in ihrer Zugspannung kaum vom Rest des 3,7 km langen Zaunes unterschieden. Außerdem gibt es ein Eingangstor, bei dem der Abstand zwischen oberem und zweiten Rohr 25 Zentimeter beträgt. Hier wurde unterstellt, der Wolf könne hindurchspringen. Das ginge aber nur dann, wenn er sich wie ein Zirkus-Wolf in der Luft querlegen würde, denn der knöcherne Brustkorb des Wolfes misst bereits 25 cm. Hinzu komen Fell und Fleisch. Im Gegensatz zu einer Zaunlitze kann der Wolf hier nichts hochdrücken oder untergraben. Diese beiden Rohre zu durchspringen (ohne Sichtkontakt zu den weit entfernten Schafen und von diesen durch zwei weitere Tore á 1,80 Meter Höhe getrennt) war schlichtweg konstruiert. 

Dritte "Schwachstelle" war eine "Übersprunghilfe", die sich durch den Einbau eines Querriegels zwischen zwei Weidetorpfosten (die sich unter Zugspannung neigten) ergeben hatte. Höhe des Querriegels: 1,70 Meter. Zur Erinnerung: Der Rest des Zaunes ist 1,40 Meter hoch. Gefordert sind 90 cm.  Aber ausgerechnet hier soll er drübergesprungen sein. 

 

Wir haben uns damals gegen diese Einschätzung erfolglos gewehrt. Denn wenn dieser Zaun nicht als ausreichend wolfsabweisend gilt (wie gesagt: sicher gibt es nur im Zoo), dann gibt es keinen Zaun, der den Vorgaben entspricht. 

Der neue Fall zeigt: Die drei angeblichen "Schwachstellen" waren wohl auch 2019 nicht das Einfallstor für den Wolf. Denn sie sind inzwischen behoben gewesen. Die einfache Wahrheit scheint zu sein: Wölfe springen über oder durch 1,40 Meter hohe Zäune oder sie unterschlüpfen sie trotz Strom: Wenn sie denn wollen.  

16. März 2024

 

Das Land Niedersachsen hat den Wolfsriss auch als solchen eingestuft. Er ist auf der entsprechenden Umweltkarte des Landes als Fall 2600 zu finden. Seit der Rückkehr des Wolfes werden Nutztierrisse (auch die wenigen unbestätigten Verdachtsfälle) fortlaufend notiert.

14. März 2024

 

Leider haben wir noch immer keine offizielle Einschätzung zu unserem Schadensfall vom Land Niedersachsen. Eine Pressemitteilung unseres Vereins zum mutmaßlichen Wolfsangriff:

 

In Meppen ist ein Schaf von einem Wolf getötet worden. Das Besondere daran: Es war für den Naturschutz im Einsatz und nach allen Kriterien des Landes Niedersachsen ausreichend durch Zäune geschützt.

Einer Pressemitteilung des Vereins Land Unter e.V. zufolge, hat ein Wolf am 7. März 2024 in den Morgenstunden den Zaun am Naturschutzgebiet Versener Heidesee überwunden und ein hochtragendes Schaf getötet.

Das noch ungeborene Lamm lag beim Auffinden des toten Schafes zehn Meter entfernt, ebenso sämtliche Innereien des Mutterschafes. Das Zuchttier selbst wies einen Kehlbiss auf, der gesamte Bauchraum war leer geräumt, die Rippen zerbissen. Weil alles auf einen Wolf deutete, verständigte der Verein das Land Niedersachsen, dessen Landwirtschaftskammer für die Begutachtung von mutmaßlichen Nutztierrissen zuständig ist.

Ein Landesförster nahm das tote Schaf in Augenschein, zog Genproben und kontrollierte den 3,7 Kilometer langen Zaun. Den hatte der Verein nach eigenen Angaben 2017 wolfsabweisend errichten lassen. Dass er nicht wolfssicher sein würde, war wenig später klargeworden. 2019 hatte erstmals nachweislich ein Wolf innerhalb des Zaunes mehrere Schafe und Ziegen getötet. Im Februar 2023 riss ein Wolf nur rund drei Kilometer entfernt zwei Schafe.

Nun also ein neuer Fall am Heidesee. Die Auswertung der Genprobe steht noch aus. Weil der Zaun als intakt bewertet wurde, kann der ehrenamtlich tätige Verein für das gerissene Tier eine sogenannte Billigkeitsleistung vom Land beantragen, also eine Art Entschädigung die nach Vereinsangaben bei rund 290 Euro liegen dürfte.

Aber das Geld sei nicht entscheidend, heißt es von Seiten des Vereinsvorstandes. Vielmehr sei die Tatsache höchst beunruhigend, dass erneut ein Wolf einen Zaun überwunden habe, der aus Sicht eines Schafhalters kaum besser gesichert werden könne. Die Anlage am Heidesee verfüge über sechs stromführende Stahllitzen und sei 1,40 Meter hoch. Gefordert sind in Niedersachsen 90 Zentimeter, empfohlen werden 120.

Wichtig sei der sogenannte Untergrabeschutz, der einen Wolf daran hindern solle, den Zaun zu untergraben. Bei stromführenden Zäunen dürfe die unterste Litze deshalb nur maximal 20 Zentimeter vom Boden entfernt sein und zwar auf der gesamten Zaunlänge von hier 3,7 Kilometern.

„Wir verwenden ein Weidezaungerät, das besonders stark ist und sich dem Zaun so anpasst, dass zu jeder Zeit eine hütesichere Spannung an jeder Stelle des rund 3700 Meter langen Zaunes anliegt. Diese Spannung liegt immer oberhalb der geforderten Werte der „Niedersächsischen Richtlinie Wolf“. Das Projekt war bereits Anlaufpunkt für mehrere Informationsveranstaltungen mit Teilnehmern unter anderem vom Umweltministerium und der Landwirtschaftskammer.“

Alle Vorgaben seien also eingehalten worden, teilt der Vereinsvorstand mit. Dennoch sei ein Wolf eingedrungen und habe glücklicherweise nur ein Schaf getötet. Vermutlich seien die anderen Schafe auf der insgesamt 40 Hektar großen Fläche schnell genug geflohen, so dass der Wolf nicht reflexhaft mehrere Tiere getötet habe.

Der Verein hatte für den Fall, dass erneut ein Wolf den Zaun überwinden würde, 2022 eine Remise errichtet, um die Schafherde nach dem Übergriff nachts sicher einsperren zu können. Dieses Gebäude komme nun tatsächlich zum Einsatz, teilt der Verein mit und verweist auf viele Stunden zusätzlicher Arbeit und sorgenvolle Nächte.

Der Verein sieht seine Möglichkeiten, die eigenen Tiere gegen Wölfe zu schützen, ausgereizt. Alle sechs über das Emsland verteilten Naturschutzflächen, die beweidet werden, wurden elektrisch aufgerüstet. Kostenpunkt: Rund 120.000 Euro, die Remise nicht eingerechnet.  Sollten sich die Wolfsübergriffe künftig häufen, wird sich der Verein nach eigenen Angaben überlegen, wie lange er seine Aktivitäten fortsetzten könne. Herdenschutzhunde werde man jedenfalls wegen zahlreicher ungelöster Probleme und Risiken nicht einsetzen.

Ein Problem wäre das nach Einschätzung des Vereins für aktuell rund 100 Tier- und Pflanzenarten, die am Heidesee vorkommen und auf den jeweiligen Roten Listen der Gefährdeten Arten stehen. „Mindestens die Hälfte dieser Arten wäre bei Aufgabe der Beweidung schnell verschwunden“, heißt es, darunter Orchideen, Wasser-Lobelie, Kreuzottern oder extrem seltene Nachtfalter der Heidelandschaften.

7. März 2024

 

Wir hatten gehofft, dass das nicht wieder passiert. Aber nun hat mutmaßlich doch wieder ein Wolf am Heidesee ein Schaf getötet. Hochtragend, das Lamm ist ebenfalls tot. Die Landwirtschaftskammer hat den Fall begutachtet, kann aber noch nichts dazu sagen. Unsere Einschätzung: Eindeutig Wolf. Denn es gibt einen Kehlbiss, die Eingeweise liegen 20 Meter vom Schaf entfernt, es wurden mehr als 5 kg Fleisch gefressen, die Rippen sind durchgebissen. 

Wir müssen nun notfallmäßig reagieren, weil die Gefahr besteht, dass der "Beutegreifer" wiederkommt. Sicher ist: Die Zaunanlage war tiptop in Ordnung, der Angreifer ist dennoch reingekommen. Das kann unsere Arbeit insgesamt durchaus gefährden.

1. März 2024

 

Im Gewirr des Heidekrauts kaum zu erkennen hat sich am Heidesee ein kleiner Feldhase versteckt. Besser gesagt: Vermutlich hat ihn seine Mutter hier versteckt, beziehungsweise abgelegt. Denn Feldhasenjunge sind Nestflüchter, die Mutter kommt mehrmals am Tag vorbei, um das Junge zu säugen. 

Wir haben immer mal wieder Feldhasen auf unseren Heideflächen, aber einen direkten Fortpflanzungsnachweis hatten wir noch nicht. Feldhasen werden inzwischen auf der Roten Liste in Kategorie 3 (Gefährdet) geführt.

18. Februar 2024

 

Diese Fledermaus ist möglicherweise aufgrund der für Februar viel zu warmen Witterung nachts schon mal auf Beutefang gegangen. Als es dann wieder kälter wurde, hat sie sich an der im Bild zu sehenden Kiste eher ungemütlich als gemütlich gemacht. Als sie nach drei Tagen immer noch unbewegt dort hing, haben wir den Naturschutzbund NABU um Hilfe gebeten.

Karin und Gerd Schaad betreiben ganz in der Nähe eine Fledermaus-Auffangstation und haben das Tier mitgenommen. Der Fall lässt sich folgendermaßen auflösen: Bei der Fledermaus handelt es sich um ein Braunes Langohr, eine in Deutschland auf der Roten Liste geführten Art. Sie gilt als bedroht und mag eigentlich vor allem lichte Wälder. Aber anscheinend nimmt sie es damit nicht immer so genau. Unser Exemplar hat vermutlich in der Kiste überwintert. Die ist eigentlich für Bienenschwärme gedacht, die sich im Sommer in unserer Imkerei vom Hauptschwarm lösen und dann eingefangen werden müssen.

Die Koste sollte ihnen ein Angebot machen und ist mit einem kleinen Schlitz versehen. Den hat das Braune Langohr offenbar genutzt, denn in der Kiste befinden sich Kotspuren, die von einer Fledermaus stammen dürften. 

Wie wir inzwischen erfahren haben, hat die beim Auffinden entkräftete und abgemagerte Fledermaus inzwischen wieder großern Hunger auf Mehlwürmer. Eventuell wird sei bei uns später wieder freigelassen. 

 

++++ update++++ Am 2. März ist das Braune Langohr wieder am See in die Freiheit geflogen. Es hatte dank fürsorglicher Unterstützung der NABU-Fledermausretter etwas mehr als 1 Gramm zugenommen und kam nun auf stolze 7,2 ! Gramm. Diese kleinen Säugetiere kommen nur auf 5 bis 11 Gramm Lebendgewicht, obwohl sie über eine Spannweite von bis zu 29 Zentimetern verfügen.  Herzlichen Dank für die Hilfe an Karin und Gerd Schaad. 

17. Februar 2024

 

Die Streuobstwiese ist vorerst fertig gepflanzt. Jetzt geht es ans katalogisieren, beschildern und bewässern. Insgesamt sind 11 Apfelsorten, 3 Birnen-, 5 Pflaumen und 1 Kirschsorte verwendet worden. Alles sind alte Obstsorten mit Bezug zur Region. 

9. Januar 2024

 

Der Nachtfalter-Fachmann Frank Rosenbauer hat 2022 und 2023 acht Mal das Naturschutzgebiet rund um den Versener Heidesee auf das Vorkommen von kleinen und großen Nachtfaltern untersucht. Seine Fundliste ist beeindruckend.

Obwohl viele der ganz kleinen Schmetterlingsarten (die teilweise eine aufwendige Artuntersuchung benötigen) noch gar nicht bestimmt wurden, stehen bereits 244 unterschiedliche Arten auf seiner Liste, die er entweder in einer Lichtfalle oder an einem speziellen Köder nachweisen konnte. Von diesen 244 Arten waren bis auf zwei oder drei alle bisher für den Verein Land Unter unbekannt. Zudem gibt es noch eine ganze Reihe an Tagfalter-Arten.

Sieben der entdeckten Arten stehen auf der Vorwarnliste der Roten Liste Niedersachsens, darunter der Bräunlichgelbe Haarbüschelspanner, das Erlenmoor-Flechtenbärchen oder die Moor-Stängeleule.

In der Kategorie 3 (gefährdet) werden sieben der Arten vom Heidesee gelistet, unter ihnen die Rundflügel-Kätzcheneule, die Rohrkolbeneule, das Kleine Nachtpfauenauge oder der Kleine Rauhfußspinner. Hier zu finden ist allerdings auch noch der Eichen-Prozessionsspinner, der bei Auflegung der leider bisher letzten Roten Liste für Nachtfalter im Jahr 2004 tatsächlich noch sehr selten war in Niedersachsen.

In der Kategorie 2 (stark gefährdet) finden sich zwei Arten: Der Sumpf-Schrägbart und die Gelbgraue Felsflur-Staubeule.

In Kategorie 1 (vom Aussterben bedroht) ist der bereits bekannte Heide-Bürstenspinner (Orgyia antiquiodes ) ebenso zu finden, wie Dadds Erdeule (Euxoa tritici), die Moorwiesenerdeule (Diarsia dahlia), die Dunkle Pfeifengras-Grasbüscheleule (Apamea aquila) oder die Heidemoor-Rindeneule (Acronicta menyanthidis).

 Viele dieser Arten sind Arten offener Moor-, Heide- oder Grünlandlebensräume und einige auch bundesweit extrem selten. Nicht alle haben ihre Vermehrungslebensräume zwingend direkt am Heidesee, sondern vermutlich auch in der Umgebung, vor allem dem nahe gelegenen Wesuweer Moor. Sie profitieren sicherlich von dem Verbund der geschützen Moorfolgelebensräume, die vom ehemals riesigen Bourtanger Moor übrig geblieben sind.

Unter dem Strich eine tolle Bilanz: Das NSG am Heidesee beherbergt nicht nur eine Vielzahl an seltenen Pflanzenarten, Amphibien, Reptilien oder Libellen, sondern ist auch bedeutsam für Nachtfalter.

 

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